Fichtenbach

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Nachdem 1707 die ausgedehnten Wälder südlich des Cerchovs an Böhmen und hier an die Stadt Taus gefallen waren, begann drei Jahre darauf der Glasmeister Georg Schmaus im oberen Tal der Kalten Pastritz die Glashütte Fichtenbach zu erstellen. Der Rohstoff Holz zur Pottaschegewinnung und zur Befeuerung des Glasofens war reichlich vorhanden. Rasch wuchs die Rodungsfläche zu einer Glasmachersiedlung heran: bereits 1739 zählte sie 151 Einwohner.

Von Schmaus übernahm Anton Fuchs die Hütte (vgl. auch II. 5.> Sie sollte fortan seinen Namen tragen, denn bis in unsere Tage blieb die offizielle Be­zeichnung Fichtenbach ausschließlich dem amtlichen Schriftverkehr vorbehalten, während die Bevölkerung von der "Fuchshüttn" sprach. Anton Fuchsens Sohn Ignaz erwarb schließlich 1780 den Fichtenbacher Wald in Erbpacht von der Stadt Taus. Sein Nachfahre Benedikt Fuchs verlor Hütte und Wald wieder wegen hoher Verschuldung. 1823 veräußerte er sie für 73 220 Gulden an den Glasindustriellen Graf Philipp Kinsky, der seinen aufgelassenen Betrieb Stubenbach hierher verlegte. Im Besitz der Familie Kinsky blühte in der „Fuchshütte“ die Glasherstellung wieder auf.

Man passte sich den Anforderungen der Zeit an, erweiterte und nahm einen Kanzelspiegelofen sowie neue Spieglschleif- und Polierwerke in Betrieb.

1846 wurde eine neue Hütte mit zwei Ofen erbaut. Sie brannte allerdings schon nach sieben Monaten ab. Zum besseren Verständnis sei erwähnt, dass bei den alten Glashütten nur der Ofen gemauert war, die übrigen Gebäudeteile bestanden aus Holz. Rasch war man mit dem Wiederaufbau zur Hand, so das nach nur kurzer Unterbrechung beide Glasöfen die Produktion fort­setzen konnten. Einer davon arbeitete auf „Bandl, das heißt, er erzeugte kleine Platten, der zweite Ofen fertigte Rohspiegelglas. Auch die alte Hütte wur­de Ende der fünfziger von Hohlglas auf Spiegelglas umgestellt. 1872 kam die „Fuchshütte“ durch Kauf an die Firma Kupfer und Glaser und 1922 brachte die Stadt Taus das Waldgut wieder an sich.

Die wirtschaftliche Grundlage für die Fichtenbacher Bevölkerung war die Glasindustrie. Ihr Aufblühen und Verkümmern findet auch in der Bevölkerungsstatistik seinen Niederschlag: 1739 verzeichnen die Quellen 151 Einwohner, 1880 sind es 703, 1910 458, 1939 dagegen nur mehr 279. Die Fichtenbacher Glashütte wurde 1908 stark reduziert, weil man wesentliche Produktionsbereiche nach Kriegern verlegte. 1934 hörte auch der Restbetrieb zu arbeiten auf. Man war, wie das bei vielen Glashütten im Bayerisch­-Böhmischen Wald damals der Fall war, in die Zwangslage gekommen, bei nachlassenden Holzreserven den Hüttenbetrieb verlagern und auf Kohle umstellen zu müssen. Vom abgelegenen Waldtal zog man weg und bevorzugte Standorte an Hauptverkehrswegen mir Bahnanschluss um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der in Fichtenbach verbliebenen Bevölkerung war die ursprüngliche Existenzgrundlage geschwunden. Erwerbsmöglichkeiten gab es jetzt zum Teil in Furth, vor allem aber in der Waldwirtschaft im Dienst der Stadt Taus, mit all den im Kapitel 11. 2 geschilderten misslichen Begleitumständen.

In Sprache und Mentalität unterschieden sich die Fichtenbacher deutlich von den übrigen Bewohnern der  Vollmauer Region. Sie waren zugewanderte deutsche Glasmacher aus Böhmen, also ursprünglich ortsfremde Facharbeiter, die sich ihre eigene Dialektfärbung größtenteils bewahrt hatten.
Die „Fuchshüttner“ galten als recht lustiges Völkchen, wegen ihrer Vorliebe für Musik und Gesang waren sie überall gern gesehene Gesellschafter. Heitere Gelassenheit schien das Grundelement ihrer Lebensphilosophie zu sein.

Fichtenbach gehörte zur Gemeinde und Pfarrei Vollmau. Heute ist von dem Glasmacherdorf außer dem ehemaligen Herrenhaus nichts mehr übrig geblieben